Anfrage bei der Deutschen Bahn zu Verlängerung der Bahnsteige

Anfrage der ÖDP Stadträte an die Deutsche Bahn vom 03.01.2020

Sehr geehrter Herr Dr. Lutz,

wir sind Kommunalpolitiker der ÖDP in der Stadt Ansbach. In dieser Eigenschaft möchten wir Ihnen zuallererst unseren herzlichen Dank aussprechen, dass der Ansbacher Bahnhof bis Ende 2022 umfassend modernisiert und barrierefrei ausgebaut wird. Dazu gehören beispielsweise die Erhöhung der Bahnsteige auf 76 cm und der Einbau von Aufzügen. Nach Angaben Ihrer Mitarbeiter werden die Ausbaukosten auf mehr als 25 Millionen Euro geschätzt. Wir sind sehr dankbar, dass diese Investition nun ermöglicht wird.

Wir stellen fest: In Bezug auf die Bahn wird ja gern und viel geschimpft, aber das ist aus unserer Sicht nicht immer gerechtfertigt. Und so haben wir eine Frage bezüglich der Länge der Bahnsteige. Denn diese erhalten nach den vorgestellten Plänen nur eine verkürzte Länge von 350m und nicht – wie für einen ICE-Halt erforderlich – von 400m. Dabei würde der um 50m verlängerte Ausbau der Bahnsteige nach unserer Information nur mit vergleichsweise günstigen Mehrkosten in Höhe von 400.000 € zu Buche schlagen. Eine spätere Verlängerung außerhalb des jetzigen Ausbauvorhabens wäre demgegenüber wesentlich teurer. Viele Ansbacher Bürger sprechen in diesem Zusammenhang schon von einem Schildbürgerstreich. Wie Sie sicherlich wissen, wird der Kreuzungsbahnhof Ansbach im Fernverkehr von der IC-Linie Nürnberg-Stuttgart-Karlsruhe bedient, ICE-Züge der Relation München-Ansbach-Würzburg-Hamburg fahren derzeit nur durch. Die Bahnstrecke Nürnberg-Würzburg zählt zu den größten Engpässen in ganz Deutschland. Bei Baustellen und unvorhergesehenen Streckensperrungen müssen hier die ICE-Züge umgeleitet werden, meistens über Ansbach als kürzester Ausweichstrecke. Die umgeleiteten Züge betreffen meistens die Linien Ruhrgebiet-München sowie Hamburg-München. Hier sollte man nicht vergessen, dass einer der Gründe für die Vermeidung von Verspätungen ein ausreichend leistungsfähiges Gesamtnetz darstellt.

Mit großer Anerkennung haben wir Ihre neue Strategie „Starke Schiene“ zur Kenntnis genommen. Hier soll im Fernverkehr die Zahl der Fahrgäste auf 260 Mio pro Jahr verdoppelt werden. Durch intelligente Angebote im urbanen und auch im ländlichen Raum sollen für Schiene und ÖPNV eine Milliarde zusätzliche Kunden pro Jahr gewonnen werden. Und die Bahnhöfe sollen zu Drehscheiben moderner Mobilität ausgebaut werden. Bei Ihren ambitionierten Plänen wollen wir Sie nach unseren Möglichkeiten voll und ganz unterstützen, denn im Sinne des Klimaschutzes sind all diese Aufwendungen notwendig und gerechtfertigt. Vor diesem Hintergrund passt es jedoch ganz und gar nicht zusammen, wenn in Ansbach die Bahnsteiglänge auf 350m eingekürzt und damit künftig jeglicher Halt von ICE4-Zügen unterbunden wird.

Deshalb stellen wir folgende Anfrage: Ist bei dieser Entscheidung schon das letzte Wort gesprochen? Wir bitten Sie, die Gründe für diese Entscheidung plausibel und nachvollziehbar darzulegen.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Forstmeier, Friedmann Seiler, Manfred Schober, Paul Sichermann

Antwort von Klaus-Dieter Josel (Konzern bevollmächtigter für den Freistaat Bayern) vom  22.01.2020

Sehr geehrter Herr Forstmeier,

besten Dank für Ihr Schreiben vom 3. Januar an Herrn Dr. Lutz, in dem Sie den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Ansbach sowie die Fernverkehrsanbindung Ansbachs ansprechen. Herr Dr. Lutz hat mich gebeten, Ihnen zu antworten. Die Festlegung der erforderlichen und damit zu erstellenden Bahnsteiglänge erfolgt grundsätzlich in Abstimmung mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) als Aufgabenträger des Öffentlichen Personennahverkehr. Dazu werden die auf Basis des derzeitigen Betriebsprogramms und die im Hinblick auf aktuell geplante zukünftige Betriebskonzepte erforderlichen Längen in der Planung berücksichtigt.

Der Bahnhof Ansbach ist heute zweistündlicher Systemhalt der IC-Linie Karlsruhe-Stuttgart Nürnberg. Ergänzt wird dieses Fernverkehrsangebot von weiteren Einzelzügen. Hierfür ist die geplante Bahnsteiglänge ausreichend. Halte von Fernverkehrszügen mit einer Länge vom 400 Metern sind nach derzeitigem Planungsstand für Ansbach nicht vorgesehen. Auf der Nord-Süd Achse werden diese Züge in der Regel immer über die nachfragestarke Metropole Nürnberg geführt. Demnach beinhaltet die Planung des barrierefreien Ausbaus des Bahnhofes Ansbach die für den Fernverkehr erforderlichen Bahnsteiglängen von 325 m an allen Bahnsteigen. Damit werden unter anderem die Voraussetzungen für die beim Fernverkehr geplanten Betriebskonzepte umgesetzt. Dies stellt auch die Grundlage für die Finanzierung der Bahnsteige dar, so dass etwaige Verlängerungen derzeit nicht begründbar und finanziell darstellbar sind.

Auch bei den beschriebenen baubedingten Umleitungen von ICE-Zügen der Strecke Würzburg – Nürnberg ist derzeit aus Bahnsicht kein Szenario bekannt, bei dem Halte von Zügen mit einer Länge von 400 Metern aus verkehrlicher Sicht notwendig wären. Sollte jedoch perspektivisch eine Änderung der jetzigen Planungsbasis erforderlich werden, so wäre eine Verlängerung der Bahnsteige 2 und 3 optional auch auf 400 m möglich . Die dafür notwendige Fläche wurde in der Planung bei der Festlegung der Lage bereits entsprechend berücksichtigt.

Sehr geehrter Herr Forstmeier, abschließend möchte ich noch darauf verweisen, dass der Bahnhof Ansbach neben den direkten Fernverkehrsanbindungen zudem mit einem dicht getakteten Nahverkehrsangebot über die Knotenbahnhofe Nürnberg und Würzburg bereits sehr gut in das bundesweite Fernverkehrsnetz angebunden ist. Mit nur einem Umstieg sind so zahlreiche Wirtschaftszentren, zum Teil stündlich, schnell und bequem erreichbar.

Die Region wird auch von der Strategie „Starke Schiene“ profitieren. Die Deutsche Bahn wird in den kommenden Jahren mehr als zwölf Milliarden Euro für neue Züge investieren. Mit der Modernisierung des Bahnhofs in Ansbach und einer guten Verzahnung von Nah- und Fernverkehrsangeboten
wird eine gute Basis für noch mehr klimaschonende Mobilität auf der Schiene geschaffen.

Freundliche Grüße
Klaus-Dieter Josel

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